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Was das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz im Recruiting konkret verlangt, wo die typischen Fallen liegen und wie ein moderner Prozess Diskriminierung systematisch verhindert - praxisnah, nicht juristisch verklausuliert.

AGG-konformes Recruiting ist keine Hürde, die Einstellungen verlangsamt. Es ist ein Prozess, der Entscheidungen begründbar macht - und begründbare Entscheidungen sind auch bessere Entscheidungen.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet Benachteiligung wegen sechs geschützter Merkmale: Rasse oder ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexuelle Identität. Im Recruiting heißt das: Du darfst eine Bewerbung nicht wegen eines dieser Merkmale schlechter behandeln - nicht in der Anzeige, nicht in der Auswahl, nicht im Gespräch, nicht in der Absage.
Wichtig zur Einordnung: Das AGG verlangt nicht, dass du jemanden einstellst. Es verlangt, dass das geschützte Merkmal kein Grund für die Entscheidung war. Du darfst weiter nach Qualifikation, Erfahrung und Eignung auswählen - das ist erlaubt und richtig. Verboten ist nur die Benachteiligung an einem der sechs Merkmale.
Die häufigste AGG-Falle ist die Stellenanzeige, weil sie öffentlich und dokumentiert ist. 'Junges, dynamisches Team' diskriminiert nach Alter. 'Deutsch als Muttersprache' diskriminiert nach Herkunft, wo verhandlungssicheres Deutsch gemeint und zulässig wäre. Eine Anrede ohne (m/w/d) kann nach Geschlecht diskriminieren. Diese Formulierungen sind so eingebürgert, dass sie unbewusst durchrutschen.
Die Lösung ist nicht Angst, sondern eine Checkliste. Formuliere Anforderungen als objektive Fähigkeiten ('verhandlungssicheres Deutsch', '5 Jahre Erfahrung mit X'), nicht als Eigenschaften der Person ('jung', 'deutscher Muttersprachler'). Nutze geschlechtsneutrale Bezeichnungen mit (m/w/d). Vermeide Altersangaben, die nicht aus der Sache folgen.
Häufige Formulierungs-Fallen in der Anzeige
'Junges Team' (Alter), 'Muttersprache Deutsch' statt 'verhandlungssicher' (Herkunft), Anrede ohne (m/w/d) (Geschlecht), 'belastbar und gesund' ohne sachlichen Bezug (Behinderung). Prüfe jede Anzeige gegen diese vier, bevor sie online geht.
Diskriminierung in der Auswahl entsteht selten aus böser Absicht, meist aus Unstrukturiertheit. Wenn jede Bewerbung nach Bauchgefühl bewertet wird, fließen unbewusste Verzerrungen ungehindert ein. Der Schutz dagegen ist ein strukturierter Prozess: dieselben Kriterien für alle, dieselben Fragen im Interview, dieselbe Bewertungs-Achse. Wer alle an derselben Messlatte misst, kann keine Person an einem geschützten Merkmal benachteiligen, ohne dass es auffällt.
Im Interview gilt: keine Fragen nach geschützten Merkmalen. Fragen nach Familienplanung, Religion, Herkunft oder Gesundheit, die nicht direkt und nachweisbar mit der Tätigkeit zusammenhängen, sind unzulässig. Halte dich an die Fähigkeiten, die der Job braucht - das ist nicht nur rechtlich sicher, sondern auch der bessere Prädiktor für Eignung.
Das AGG kennt eine Beweiserleichterung: Wenn ein:e abgelehnte:r Bewerber:in Indizien für eine Benachteiligung vorbringt, muss das Unternehmen beweisen, dass das geschützte Merkmal keine Rolle gespielt hat. Diese Beweislast trägst nur, wer dokumentiert hat. Ein nachvollziehbarer Prozess mit festgehaltenen Auswahlkriterien und Bewertungen ist deshalb nicht Bürokratie, sondern dein bester Schutz im Streitfall.
Konkret heißt das: Halte fest, nach welchen sachlichen Kriterien ausgewählt wurde, wer wann welche Bewertung abgegeben hat, und warum eine Absage erfolgte. Ein Audit-Log, das jede Statusänderung mit Zeitstempel und Person festhält, beantwortet die kritischen Fragen, bevor sie gestellt werden.
Hinweis
Dieser Artikel erklärt die Praxis und ersetzt keine Rechtsberatung. Konkrete Fristen, Formulierungen und Einzelfälle klärst du mit einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt bzw. deinem Datenschutz-Beauftragten.
Ein gut gebautes Recruiting-Tool macht AGG-Konformität zum Default, nicht zur Disziplin-Aufgabe. In KI BMS sind die Hebel eingebaut: strukturierte Scorecards mit denselben Kriterien für alle Bewerbungen, ein vollständiges Audit-Log jeder Statusänderung, und eine KI-Vorsortierung, die ausdrücklich keine kulturelle Bewertung anhand von Foto, Name oder Sprache vornimmt und keine Auto-Absagen trifft. Die KI sortiert die Lese-Reihenfolge mit lesbarer Begründung; entscheiden tut weiter ein Mensch.
Das nimmt dir die Angst, ohne die Einstellung zu verlangsamen. Du wählst weiter nach Eignung - aber du tust es durch einen Prozess, der jede Entscheidung begründbar macht. Genau das ist es, was das AGG verlangt: nicht Quoten, sondern Sachlichkeit und Nachvollziehbarkeit.
Häufige Fragen
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Geschrieben von
Co-Founder + CEO
Julia ist eine der Co-Founder. Sie kümmert sich um Design, Produkt-Richtung und den Großteil der Support-Antworten am Morgen.
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